Brexit und .EU

Vielleicht wissen Sie bereits von der Ankündigung der Europäischen Kommission vom letzten März bezüglich der Zukunft von .EU-Domains, die von in Großbritannien und Gibraltar ansässigen Privatpersonen und Organisationen registriert sind. Kurz gesagt: Wenn Großbritannien offiziell aus der Europäischen Union (EU) austritt, werden Einzelpersonen, die in Großbritannien leben, und britische Unternehmen, die nicht in einem anderen Land der EU vertreten sind, die .EU-Registrierungs­bedingungen nicht mehr erfüllen.

Der Domain-Branche missfällt der Beschluss der Europäischen Kommission, nach dem Brexit allen in Großbritannien (GB) und Gibraltar (GI) ansässigen .EU-Domaininhabern die Rechte an ihren 300.000 Domains zu entziehen. Ein Verzicht auf diese Maßnahme hätte es den bestehenden Domaininhabern ermöglicht, ihre Domains auf unbestimmte Zeit zu verlängern, obwohl der Ländercode nicht mehr den Registrierungs­bedingungen entspricht. Wir bedauern die Entscheidung und den Nachteil für Domaininhaber, die  ihre Eigentumsrechte verlieren. Trotzdem müssen wir uns die Zeit nehmen, betroffene Domaininhaber darauf vorzubereiten.

Niemand weiß wie es mit dem Brexit weitergeht, aber am 25. Januar 2019 hat EURid, die .EU-Registry, Einzelheiten zu ihrer Herangehensweise an diese Veränderung preisgegeben. Die Registry sieht drei mögliche Szenarien:

  1. Harter Brexit: Großbritannien verlässt am 30. März die EU ohne Abkommen.
  2. Weicher Brexit: Am oder ab dem 31. Dezember 2020 verlässt Großbritannien die EU nach einer geplanten Übergangsperiode.
  3. Brexit mit .EU-Bestimmungen: Großbritannien verlässt die EU nach einer geplanten Übergangsperiode und das Abkommen enthält Bestimmungen für .EU-Domains.

Unten finden Sie eine Beschreibung dieser drei Szenarien und deren entsprechender Bedeutung für .EU-Domaininhaber in Großbritannien.

 

Szenario 1 — Im Fall eines “harten” Brexits

Falls Großbritannien am 30. März 2019 ohne Abkommen aus der EU austritt, passiert Folgendes:

Unmittelbar am 30. März 2019 00:00 MEZ wird EURid keine Registrierungen von .EU-Domains mit einem in Großbritannien (GB) oder Gibraltar (GI) ansässigen Domaininhaber mehr erlauben. Für bestehende Domains dürfen Inhaberwechsel zu einem in GB oder GI ansässigen Domaininhaber auch nicht mehr stattfinden.

Im März 2019 wird EURid sich mit in GB oder GI ansässigen Domaininhabern in Verbindung setzen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Befolgung der .EU-Richtlinien durch die Aktualisierung ihrer Kontaktdaten nachzuweisen.  Für Organisationen würde dies die Angabe eines Unternehmens bedeuten, das seinen satzungsmäßigen Sitz, seine Hauptverwaltung oder seine Hauptniederlassung innerhalb der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWA, sprich Norwegen, Island und Liechtenstein) hat. Für Einzelpersonen würde dies bedeuten, ihren Wohnsitz in die EU oder den EWA zu verlegen.

Der Domaininhaber könnte auch entscheiden, das Eigentumsrecht der Domain zu einem in der EU- oder dem EWA-ansässigen Domaininhaber zu transferieren.

Zwischen dem 30. März 2019, 00:00 MEZ, an dem Domaininhaber offiziell benachrichtigt werden, und dem 30. Mai 2019, 00:00 MESZ wird die Registry für die betroffenen Domains  die folgenden Auftragstypen sperren:

  • Inhaberwechsel zu einem nicht in der EU- oder dem EWA ansässigen Domaininhaber
  • Renew-Auftrag
  • Auto-Renew (die Registry setzt betroffene Domains automatisch in den Status “Withdrawn”)

Während dieser zwei Monate können Domaininhaber, die ihre Domains weiter aktiv verwenden möchten, entweder ihre Kontaktdaten aktualisieren, um den Registrierungs­bedingungen zu entsprechen oder die Domain zu einem in der EU oder dem EWA ansässigen Inhaber transferieren.

Am 30. Mai 2019, 00:00 MESZ wird jede Domain in den Status “Withdrawn” gesetzt, für die der Domaininhaber seine weitere Berechtigung zur Registrierung nicht beweisen konnte. Das Setzen des Withdrawn-Status bedeutet, dass die Domain nicht mehr auflöst (und alle damit verbundenen Dienste inaktiv werden) aber, dass der Registrierungseintrag bei der Registry weiterhin beibehalten wird. Zu diesem Zeitpunkt kann der Domaininhaber die Domain noch reaktivieren, in dem er die Kontaktdaten aktualisiert, um die Registrierungs­bedingungen zu erfüllen, und somit den Withdrawn-Status zu entfernen.

Am 30. März 2020, 00:00 MEZ werden alle Domains, die sich weiterhin im Withdrawn-Status befinden, gelöscht und zur erneuten Registrierung verfügbar gemacht.

.EU Brexit-Zeitplan: Szenario 1
 

Domains im Besitz von in Großbritannien ansässigen EU-Bürgern

Es gibt ohne Frage viele EU-Bürger, die in Großbritannien ihren Wohnsitz haben und eine .EU-Domain besitzen. Da die Berechtigung eine .EU-Domain zu besitzen auf dem Wohnsitz und nicht der EU-Bürgerschaft basiert, verlieren diese Domaininhaber ebenfalls am 30. März 2019 ihre Eigentumsrechte, obwohl sie nach dem Brexit weiterhin EU-Bürger bleiben.

Allerdings hat die EU-Kommission für 2019 eine Änderung zu den .EU-Registrierungs­bedingungen angekündigt, die es EU-Bürgern ermöglichen würde, die Registrierungs­bedingungen wieder zu erfüllen. Diese Domaininhaber sind also ab dem Brexit am 30. März nicht mehr berechtigt, aber werden voraussichtlich Mitte bis spätestens Ende 2019 erneut berechtigt sein, nachdem die neuen Registrierungsbedingungen in Kraft treten.

 

Szenario 2 — Im Fall eines “weichen” Brexits

Falls Großbritannien am oder nach dem 31. Dezember 2020 nach einer geplanten Übergangsperiode aus der EU austritt, reagiert EURid auf die gleiche Weise wie beim “harten Brexit” aber mit einem verlängerten Zeitplan. In diesem Fall passiert Folgendes:

Im Dezember 2020 wird EURid sich mit in GB oder GI ansässigen Domaininhabern in Verbindung setzen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Befolgung der .EU-Richtlinien durch die Aktualisierung ihrer Kontaktdaten nachzuweisen.  Für Organisationen würde dies die Angabe eines Unternehmens bedeuten, das seinen satzungsmäßigen Sitz, seine Hauptverwaltung oder seine Hauptniederlassung innerhalb der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWA, sprich Norwegen, Island und Liechtenstein) hat. Für Einzelpersonen würde dies bedeuten, ihren Wohnsitz in die EU oder den EWA zu verlegen.

Der Domaininhaber könnte auch entscheiden, das Eigentumsrecht der Domain zu einem in der EU- oder dem EWA-ansässigen Domaininhaber zu transferieren.

Zwischen dem 1. Januar 2021, 00:00 MEZ, an dem Domaininhaber offiziell benachrichtigt werden, und dem 02. März 2021, 00:00 MEZ wird die Registry für die betroffenen Domains die folgenden Auftragstypen sperren:

  • Inhaberwechsel zu einem nicht in der EU- oder dem EWA ansässigen Domaininhaber
  • Renew-Auftrag
  • Auto-Renew (die Registry setzt betroffene Domains automatisch in den Status “Withdrawn”)

Während dieser zwei Monate können Domaininhaber, die ihre Domains weiter aktiv verwenden möchten, entweder ihre Kontaktdaten aktualisieren, um den Registrierungs­bedingungen zu entsprechen oder die Domain zu einem in der EU oder dem EWA ansässigen Inhaber transferieren.

Am 02. März 2021, 00:00 MEZ wird jede Domain in den Status “Withdrawn” gesetzt, für die der Domaininhaber seine weitere Berechtigung zur Registrierung nicht beweisen konnte. Das Setzen des Withdrawn-Status bedeutet, dass die Domain nicht mehr auflöst (und alle damit verbundenen Dienste inaktiv werden) aber, dass der Registrierungseintrag bei der Registry weiterhin beibehalten wird. Zu diesem Zeitpunkt kann der Domaininhaber die Domain noch reaktivieren, in dem er die Kontaktdaten aktualisiert, um die Registrierungs­bedingungen zu erfüllen, und somit den Withdrawn-Status zu entfernen.

Am 01. Januar 2022, 00:00 MEZ werden alle Domains, die sich weiterhin im Withdrawn-Status befinden, gelöscht und zur erneuten Registrierung verfügbar gemacht.

.EU Brexit-Zeitplan: Szenario 2
 

Domains im Besitz von in Großbritannien ansässigen EU-Bürgern

Wie bereits oben erwähnt, wird es in 2019 eine Änderung zu der .EU-Richtlinie geben, die es im Ausland ansässigen EU-Bürgern ermöglichen wird, .EU-Domains zu registrieren. Demzufolge würden in Großbritannien und Gibraltar ansässige EU-Bürger ihre Berechtigungen nach einem “weichen Brexit ” nicht verlieren. In Abhängigkeit von EURids Implementierung der neuen Richtlinie, könnten im Ausland ansässige EU-Bürger eventuell aufgefordert werden, ihre Berechtigung aktiv zu validieren, um ihre Domain zu behalten.

 

Szenario 3 — Bestimmungen für .EU-Domains

Im Fall eines “weichen Brexits”, bei dem das Austrittsabkommen Bestimmungen für .EU-Domains enthält, wird EURid auf die oben beschriebenen Übergangspläne verzichten und stattdessen die entsprechenden Bestimmungen des Austrittsabkommens implementieren.

 

Vorbereitung auf diese Änderung

Das EPAG-Team arbeitet jetzt daran, Optionen auszuloten, um die Auswirkungen dieser Änderungen auf Domaininhaber zu minimieren. Falls Sie .EU-Domains verkaufen, empfehlen wir Ihnen, sich für unseren Newsletter anzumelden, sodass wir Sie zu diesem Thema auf dem Laufenden halten können.

Inzwischen empfehlen wir unseren betroffenen Resellern, sich die folgenden Maßnahmen zu überlegen.

  1. Erwägen Sie, in GB oder GI ansässige .EU-Domaininhaber daran zu hindern, mehrjährige Verlängerungen zu tätigen. Dies wird dazu beitragen, Situationen zu vermeiden, in denen ein britischer Kunde eine beträchtliche Verlängerungsgebühr zahlt, nur um einige Monate später seine .EU-Domain zu verlieren.
  2. Erwägen Sie, .EU-Registrierungen zu beschränken oder bei der Registrierung einen Warnhinweis zu zeigen. Es ist wichtig, dass Ihre in Großbritannien ansässigen Kunden bereits vor der Registrierung einer .EU-Domain auf die bevorstehende Änderung der Registrierungs­bedingungen aufmerksam gemacht werden. Wir empfehlen, den in GB oder GI ansässigen Kunden einen Warnhinweis zu zeigen, wenn sie versuchen, eine .EU-Domain zu registrieren oder alternativ die Registrierung einer .EU-Domain komplett zu unterbinden.
  3. Beachten Sie, dass die Registry ihre Kunden schon ab dem 23. März 2019 kontaktieren könnte. Wir empfehlen Ihnen, sich vor dem 23. März 2019 mit Ihren betroffenen Kunden in Verbindung zu setzen, damit im Falle eines “harten Brexits” die Mitteilung der Registry keine Überraschung darstellt. In den nächsten Wochen werden wir weitere Informationen zur Verfügung stellen, die Ihre Kommunikationen mit Kunden unterstützen können

Falls Sie .EU-Domains verkaufen, empfehlen wir Ihnen erneut, sich für unseren Kundennewsletter anzumelden, sodass Sie immer die neuesten Informationen zu diesem Thema haben.